Wonderful World of Wordlessness

In Hen­ning Rit­ters Buch „Notiz­hef­te“ (Ber­lin Ver­lag, 2010) bin ich auf die­sen schö­nen kur­zen Text gesto­ßen:

Raf­fa­els Gemäl­de „La Muta“ in Urbi­no … gehört in den magi­schen Umkreis von Leo­nar­dos „Mona Lisa“. Benen­nung des Bil­des, Gesichts­aus­druck und Hal­tung der Hän­de legen den Ver­gleich nahe. Bei Leo­nar­do ist es ein psy­cho­lo­gi­sches Rät­sel, des­sen Auf­lö­sung das Gemäl­de zu ver­lan­gen und des­sen Unlös­bar­keit es zu behaup­ten scheint. Damit hängt die Wut zusam­men, die das Bild immer wie­der aus­ge­löst hat. Es stellt etwas dar, was es nur durch sei­ne Dar­stel­lung gibt und was in die­se Dar­stel­lung gebannt bleibt“

Die­ser letz­te Satz gefällt mir ganz aus­ge­zeich­net. Mir scheint er auf die Musik über­trag­bar, denn auch sie stellt etwas dar, oder ist etwas, was es nur unter dem Umstand sei­ner, oder ihrer Ver­wirk­li­chung gibt, und was in die­ser Ver­wirk­li­chung gebannt bleibt, weil es sich nun ein­mal in kei­ner Wei­se von sich sel­ber tren­nen lässt. Das heißt dann, dass es Musik nur im Moment ihrer Ver­wirk­li­chung gibt. Ich weiß schon, das ist eigent­lich ein alter Hut und: nein, Auf­nah­men sind kei­ne Musik.

Es las­sen sich im Übri­gen vie­le wun­der­ba­re Bei­spie­le auf­füh­ren, die Musik in Wor­te zu fas­sen oder sie zu defi­nie­ren suchen, aus der oben­ge­nann­ten Wut her­vor­ge­gan­gen, die man bequem auch Lie­be, Glück, Stau­nen nen­nen kann – alles zweck­los, wenn auch wun­der­schön, und doch, wie könn­te man schwei­gen im Ange­sicht der Musik? Irgend­wann kann man, das wis­sen wir alle, sonst ist es viel­leicht ja gar kei­ne Musik.

So hal­te ich es wei­ter­hin für eine Unmög­lich­keit, über Musik zu spre­chen oder zu schrei­ben. Was Musik aus­sagt, lässt sich nun ein­mal nicht in Wor­te fas­sen, denn irgend­wie sagt sie ja auch nichts aus.

Ich blei­be aber immer auf der Suche nach ihr, und für die­se Art der Suche braucht man nun ein­mal Den­ken und Spra­che ( und wenn man sie gefun­den hat, ist das eine ande­re Ange­le­gen­heit). Viel­leicht lässt sich dann also doch etwas aus­rich­ten mit Spra­che und Musik. Anders gesagt, mit den Wor­ten eines gro­ßen Alten, liegt der Ursprung des Den­kens im Stau­nen, und Stau­nen lässt sich über Musik ja immer wie­der – und ein wenig Den­ken scha­det dann auch nicht.

Also wer­de ich jetzt auch ver­su­chen, die­se Unmög­lich­keit zu unter­neh­men und hin und wie­der etwas über Musik zu schrei­ben. Ich ver­mu­te, es wird dar­auf hin­aus­lau­fen, fest­zu­stel­len, dass das Stau­nen zwar der Ursprung des Den­kens ist, und das Objekt des Stau­nens viel Den­kens ver­dient, sehr viel Den­kens, die­ses Den­ken aber, von jenem Stau­nen immer und unmit­tel­bar über­holt, im Erleb­nis mün­det, im noch viel grö­ße­ren Stau­nen über das Werk, das als Par­ti­tur oder Auf­füh­rung vor uns liegt, ver­wirk­licht, und im Wun­der einer durch Stau­nen und Den­ken gereif­ten Wort­lo­sig­keit.

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